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Zwischen Natur und Gesellschaft steht der Alltag
Dr. Thomas Jahn, Direktor Institut für sozial-ökologische Forschung (ISOE), Frankfurt am Main

Interview durchgeführt am 18.12.2006 von interner Link Dr. Ute Süßbrich
Felder der sozial-ökologischen Forschung
Der sozial-ökologische Blick soll uns helfen, besser zu verstehen, … wo die Wissensgrenzen zum Verständnis der untersuchten Probleme liegen … und neue innovative Methoden zu entwickeln, mit Hilfe derer diese Probleme bearbeitet und Lösungsperspektiven entwickelt werden können.
Herr Dr. Jahn, Sie sind Direktor des Instituts für sozial-ökologische Forschung (ISOE). Welches Aufgabenfeld umfasst die sozial-ökologische Forschung?
Welche Methoden sind für Ihre Forschung zwischen Natur- und Geisteswissenschaften maßgeblich, vor dem Hintergrund, dass den Geisteswissenschaften immer noch eher „verstehende“ Methoden und den Naturwissenschaften eher „erklärende“ Methoden zugeordnet werden?
In der sozial-ökologischen Forschung fokussieren Sie einerseits auf menschlich verursachte Umweltveränderung, wie z.B. auf das Wasser-Versorgungsproblem; andererseits untersuchen Sie soziale Veränderungstendenzen – etwa im demographischen Wandel, im Konsumverhalten oder im Tourismus. Haben Sie bei all diesen verschiedenen Gebieten ein wissenschaftliches Ethos, dem Sie folgen?
Wie bearbeiten Sie diese im Kontext erst aufkommenden Probleme wissenschaftlichen Wissens?
Über die Komplexität „gesellschaftlicher Naturverhältnisse“
Man kann sagen, dass die gesamte Forschungsarbeit des Instituts darauf ausgerichtet ist, die Dynamik gesellschaftlicher Naturverhältnisse – wie Ernährung, Fortbewegung, Wohnen – zu verstehen.
Ihre Ideen hören sich politisch „grün“ an. Erstreben Sie überhaupt einen politischen Brückenschlag?
Haben Sie eine Vision, wie diese Kommunikation mit dem ISOE besser gestaltet werden könnte?
Wo liegt derzeit Ihr Forschungsfokus, wo liegen Ihre besonderen Innovationen im Wissenschaftssystem?
Können Sie ein Beispiel für die Konzepte geben, die Sie als Antwort auf sozial-ökologische Probleme geben?
Besondere Forschungsakzente des ISOE
Wir versuchen über formale Modellierungen ein Lerninstrument für regionales Handeln zu entwickeln, das problem- und regionenspezifische Daten aufnimmt.
Sie sprechen viel in großen Begriffen, wie Gesellschaft, Natur und Potential. Wie sieht denn Ihre Forschung konkret aus: Wie empirisch ist die Forschung des ISOE?
Welche Besonderheit hat der konzeptorientierte Forschungsprojekttyp am ISOE?
Ist diese Methode für Sie ein Weg, um Ihre Konzepte überzeugender zu vermitteln?
Wider die wissenschaftliche Alltagsvergessenheit
Der Alltag ist noch nicht in erforderlichem Maße im Blick der Wissenschaften angekommen.
Welche Unterstützung wünschen Sie sich für Ihre Forschung am meisten?
Obwohl viel vom Alltag gesprochen wird, wird der Alltag, das Handeln im Alltag, als Forschungsgegenstand immer noch selten zum Fokus?
Sehen Sie sich in solchen Problemlösungsversuchen zwischen wissenschaftlichem Konzept und Alltagsakteuren auch als einen Vermittler, der die Vielfalt der Vorstellungen moderiert?
Unausgeschöpfte Potentiale der Region FrankfurtRheinMain
Es wird noch viel zu wenig in der Wissenschaftstradition gearbeitet, die ich sehr stark mit Frankfurt verbinde: nämlich dass (auch radikale) Kritik und (realistische) Gestaltung von gegebenen Verhältnissen keinen Gegensatz darstellen müssen, sondern zusammen gebracht werden können!
Welche Stärken sehen Sie im wissenschaftlichen Umfeld in der Region FrankfurtRheinMain und was vermissen Sie eventuell?
Wie beurteilen Sie die Kommunikationsqualität zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit in der Region FrankfurtRheinMain? Gibt es ein öffentliches Interesse an sozial-ökologischer Forschung?
Sozial-ökologisch denken lernen
... ein Gesellschaftsverständnis zu gelangen, das es mir ermöglicht, Zusammenhänge zwischen Bereichen zu denken, die traditionell getrennt behandelt werden.
Was hat Sie persönlich bewogen, den Weg zu einer neuen Wissenschaft im Überschneidungsbereich von Natur und Gesellschaft einzuschlagen?
Gibt es für Sie so etwa wie ein Schlüsselerlebnis, das Sie dazu geführt hat, sozial-ökologisch zu forschen?
Andere Orte für die Wissenschaft
Die Universität wurde vom Campus auf das Startbahngelände verlagert, und plötzlich waren da ganz andere Bevölkerungsgruppen an Wissensprozessen beteiligt; es entstand eine Art Dezentrierung und Pluralisierung der Wissensgenerierung.
Insofern begleitet Sie diese Debatte in Ihrer Forschung ja bis heute. Gab es für Sie herausragende Momente in dieser Zeit?
Heute könnte so eine Bewegung ja im Grunde wieder neu erwachen, Gründe und Situationen dazu gibt es genug. Was hat sich in der Zwischenzeit verändert?
Hätten Sie beruflich auch einen anderen Weg einschlagen mögen?
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Herausgeber © Institut für Neue Medien, Frankfurt am Main, 06-11-2007