Wegweiser durch das Bildungssystem
Unsere Portale sollen komfortable Zugänge schaffen zu Institutionen und Experten und zu fachlich einschlägiger Literatur.
Worin bestehen Ihrer Vorstellung nach die zentralen Aufgaben von Wissenstransfer, Informationsvermittlung und Bildung?
Bambey: Das Informationszentrum Bildung (IZ) erstellt zwei große Internet-Portale, die einerseits für die fachwissenschaftliche Informationsvermittlung im engeren Sinne, andererseits für eine breite bildungsinteressierte Öffentlichkeit konzipiert sind: namentlich sind das der Deutsche Bildungsserver zum einen und das Fachportal Pädagogik zum anderen. Beide Portale ergänzen sich in ihren jeweiligen Schwerpunktsetzungen. Während sich der Deutsche Bildungsserver als eine Art Bürgerportal versteht, das Orientierung in allen bildungsbezogenen Fragestellungen bietet und auch die pädagogische Praxis mit Informationen versorgt, zielt das Fachportal Pädagogik stärker auf die Wissenschaft und spricht insbesondere Pädagogen im Hochschul- und Forschungsbereich an. Beide Portale sollen komfortable Zugänge schaffen zu Institutionen und Experten und zu fachlich einschlägiger Literatur. Das gesamte Spektrum an weiterführenden Informationen soll auf nutzerfreundliche Weise zur Verfügung gestellt werden, mit Suchunterstützungen und einem guten Navigationssystem.
Kühnlenz: Einerseits bieten wir also auf dem Fachportal Literaturinformationen für die wissenschaftliche Gemeinde an, andererseits liefern wir Fakten und Daten aus der Praxis sowie durchaus auch „lebensweltlich“ bezogene Informationen für eine heterogene Nutzerklientel. Die Nutzer des Bildungsservers sind z.B. Schüler, Lehrer oder ausländische Studieninteressierte, die einen Studienplatz in Deutschland suchen und wissen wollen, wo man im Internet die passenden Informationen findet. Sie suchen Beratung oder Literatur und gelangen unter Umständen über den Bildungsserver zu den wissenschaftlich spezifischeren Informationen des Fachportals. Diese zwei Sichten auf unseren umfangreichen Informationspool werden ergänzt durch weitere Datenbanken und Portale. So betreiben wir beispielsweise eine Website zum Thema Leseförderung bei Kindern und Jugendlichen und eine Suchmaschine für Weiterbildungskurse.
Nehmen wir doch einmal eine Absolventin, Germanistin, die, was ihre Zukunft anbelangt, etwas orientierungslos herumirrt und nicht weiß, wohin sie sich wenden kann. Was findet diese Germanistin auf dem Bildungsserver?
Kühnlenz: Sie findet zunächst ein Wegweisersystem vor, das sie etwa zu Institutionen führt, die z.B. Beratungsservices oder weiterführende Qualifikationen anbieten. Wir selbst, das ist zu betonen, bieten keine eigenen Inhalte an, sondern verweisen nach außen, auf einschlägige Angebote Dritter, das bedeutet, wir sind im Prinzip dann am erfolgreichsten, wenn die Nutzer schnell über den Bildungsserver auf eine von ihnen gesuchte externe Seite gelangen, auf der sie dann die gewünschten Informationen finden. Die Germanistik-Absolventin, die nicht weiß, wie es beruflich weitergeht, findet bei uns beispielsweise auch eine Job-Börse mit akademischen Stellenangeboten, sie findet Informationen über weiterbildende Studiengänge, zu Promotionsmöglichkeiten oder zu weiterführender Literatur. Und da es sich explizit um eine Absolventin handelt, stehen ihr spezifische Informationssammlungen auch zu Angeboten der Frauenförderung im Hochschul- und Wissenschaftsbereich zur Verfügung.
Bambey: Unser klassischer Interessent als Betreiber des Fachportals ist jemand, der eine wissenschaftliche Arbeit schreibt. Er sucht Literatur, und dafür ist das Fachportal Pädagogik die richtige Anlaufstelle. Vom Deutschen Bildungsserver oder auch von Google aus gelangt er auf das Fachportal Pädagogik und erhält von dort aus eine Übersicht: Welche Publikationen gibt es zu dem gewählten Thema? Ist mein Thema bereits in Bearbeitung oder ist es wirklich etwas Neues? Welche Diskurse haben darüber stattgefunden? Man kann sich also über das Portal orientieren, sehen, wo es die Materialien zu den entsprechenden Themenbereichen gibt, ob sie eventuell kostenfrei im Internet zu haben sind, ob sie gedruckt oder elektronisch bestellt werden müssen. Der Aspekt der Verfügbarkeit der benötigten Materialien ist für alle, die forschen, von großer Bedeutung. Daher steht eine unserer zentralen Aufgaben unter dem Label „One-Stop-Shop“. Damit ist gemeint, dass der Nutzer rundum beliefert wird. So wie bei einer Tankstelle, die neben dem Benzin zugleich alles mitgeliefert, wodurch sich die fortgesetzte Reise reibungslos gestaltet. Mit ähnlich umfangreichem Service möchten wir den Wissenschaftler direkt an seinem Arbeitsplatz erreichen und mit den benötigten Informationen versorgen.
In der Recherche
Wir bündeln und zentrieren Informationen – zur Elementarbildung über die Schule, die Berufs- und Weiterbildung bis zur Hochschule – , die sonst nur dezentriert und heterogen vorliegen und packen sie in Produkte, die nutzerfreundlich aufbereitet sind.
Wie gehen Sie vor, um an die vielen wichtigen und für Ihre Klientel wirklich interessanten Informationen zu gelangen?
Kühnlenz: Was den Deutschen Bildungsserver angeht, haben wir zwölf Fachgebiete abzudecken: von der Elementarbildung über die Schule, die Berufs- und Weiterbildung bis zur Hochschule. Unsere Redakteurinnen und Redakteure recherchieren aktiv im Internet und werten kontinuierlich einschlägige Websites und Informationsdienste aus. Darüber hinaus haben wir fachkompetente Kooperationspartner für die jeweiligen Inhaltsbereiche. Auch sind wir ein Portal in Trägerschaft des Bundes und der Länder und haben daher den besonderen Auftrag, die offiziellen Publikationen dieser Stellen, also z.B. der Ministerien und der Landesbildungsserver, prominent zu präsentieren.
Bambey: Wir bearbeiten unsere Aufgaben also in großen Kooperationszusammenhängen. Und weil wir die Breite des gesamten Bildungswesens abdecken – Bildungspraxis und -theorie – , müssen wir auch ein System der Vernetzung mit einer großen Zahl von Instituten und Dokumentationsstellen haben, die jeweils auf bestimmte Fragen spezialisiert sind. Der Bereich Literaturdokumentation ist z.B. ein Verbund von dreißig Einrichtungen in Österreich, Deutschland und der Schweiz, die jeweils besondere Spezialgebiete abdecken. Wir verstehen uns dabei als die Stelle, die diese Informationen über attraktive Internetangebote fokussiert und verfügbar macht. Darin besteht unsere Funktion: Wir bündeln und zentrieren Informationen, die sonst nur dezentriert und heterogen vorliegen und packen sie in Produkte, die nutzerfreundlich aufbereitet sind.
Wie gehen Sie vor, um für den Bildungsserver Interesse und Aufmerksamkeit zu bündeln?
Kühnlenz: Wir stützen uns u.a. auf informationswissenschaftliche Forschungsergebnisse, z.B. aus Usability- und Nutzerstudien, die wir z.T. selbst in Auftrag geben und künftig vermehrt auch im eigenen Institut durchführen werden. Darüber hinaus haben wir aber auch unmittelbaren Kontakt zu unseren Nutzern. Wie jedes gute Portal bieten wir Schnittstellen zum Feedback und zur Kontaktaufnahme, die auch rege genutzt werden. Ferner führen wir für unsere Nutzer Internet-Recherchen durch, erstellen individualisierte Profildienste, über die die Nutzerinnen und Nutzer regelmäßig etwa zu neuen Forschungsdokumenten und einschlägigen Quellen in ihren Arbeits- und Interessengebieten informiert werden.
Bambey: Unsere Öffentlichkeits- und Marketingaktivitäten sind gut ausgeprägt. Wir gehen zu den einschlägigen Bildungsmessen, haben Kontakte zu den wissenschaftlichen Fachgesellschaften im Umfeld der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaft. Darüber hinaus pflegen wir Kontakte in einem Netzwerk der Landesinstitute.
Können Sie an einem Beispiel beschreiben, was die Vorzüge eines guten Portals gegenüber den populären Suchmaschinen sind?
Bambey: Eine unserer Strategien, Nutzer zu interessieren, ist durchaus die Ausnutzung der hohen Attraktivität von Google. Wir haben unser Portal für Google geöffnet, und wenn ein Student, ein Lehrer oder Wissenschaftler etwa sich für eine Frage interessiert, dann gehen diese Personen in der Regel den Weg über diese große Suchmaschine. Die Öffnung unserer Datenbank für Google führt dazu, dass wir dort in themenspezifischen Treffermengen prioritär gelistet werden. Sobald man uns gefunden hat, geht es weiter wie auf einer Rutschbahn: der Sucher rutscht zu uns herüber und findet sich in einer neuen Umgebung wieder. Diese aber muss so gestaltet sein, dass er dort auch abgeholt wird und sieht, dass es hier nicht nur Informationen in Hülle und Fülle gibt, sondern dass diese Informationen gut sortiert und strukturiert sind und durch Schlagwörter und Kurztexte aussagekräftig erschlossen. Hierin liegt der Mehrwert, der bei Google nicht gegeben ist.
Kühnlenz: Genau dies ist der entscheidende Vorteil gegenüber Google und anderen allgemeinen Suchdiensten , dass sich der Nutzer dort mit großen, redundanten Informationsmengen und mit kaum durchschaubaren Relevanz-Rankings konfrontiert sieht und nur schwer entscheiden kann, welche Informationen für ihn wirklich wichtig sind. Bei uns angelangt, erhalten die Nutzer dagegen ein Angebot, das redaktionell qualitätsgeprüft und systematisch gegliedert ist und unter thematischen und adressatenspezifischen Gesichtspunkten zu den relevanten Informationsquellen hinführt.
Was ist Bildung?
Unsere Aufgabe besteht darin, die Diskussion, die Diskurse über Bildung in einschlägigen Quellen zugänglich zu machen.
Mir ist aufgefallen, dass es auf dem Bildungsserver kein Statement dazu gibt, was ‚Bildung’ heute bedeutet und inwiefern der Server diesem Verständnis dienlich ist.
Kühnlenz: Als Informationsvermittler besteht unsere Aufgabe nicht darin, den Bildungsbegriff zu definieren oder zu kommentieren, sondern vielmehr darin, die Diskussion, die Diskurse über Bildung in einschlägigen Quellen zugänglich zu machen. Frei nach Friedrich Schiller heißt das: Ich habe hier keine Meinung, sondern ein Amt, und dieses Amt besteht in der besagten Vermittlungs- und Übersetzungsaufgabe. Ich führe die Nutzer aber durchaus zu den Quellen hin, die Ihnen Aufschluss darüber geben, wie der Bildungsbegriff oder Notwendigkeiten der Bildungsreform derzeit diskutiert werden, damit aber habe ich meinen Job getan.
Bambey: Ich denke, dass man unseren Bildungsbegriff bereits in Funktion und Auftrag der Portale auffindet, z.B. indem Informationen zum gesellschaftlich geforderten „lebenslangen Lernen“ bereitgestellt werden in Form von Orientierungs- und Informationsmöglichkeiten zu diesem Thema. Da die Bildungsanforderung mittlerweile in allen Altersgruppen hoch ist, geht es darum, die Nutzer in die Lage zu versetzen, selbstgesteuert lernen zu können und sich in den schwierigen Zeiten heute professionell fit zu halten. Der Bildungsserver soll es den Menschen erleichtern, ihre Kompetenzen zu nutzen und sich auf dem Laufenden zu halten. Das Fachportal Pädagogik bedient zudem die gesteigerten Anforderungen an die Weiterqualifizierung im professionellen Bereich: Lehrer müssen sich heute verstärkt und kontinuierlich weiterbilden, weil die Probleme in der Schule auch als Probleme der Lehrer betrachtet werden. Der Bildungsserver und das Fachportal Pädagogik sollen diesen Bedarf befördern, indem das notwendige Orientierungswissen vermittelt wird, um z.B. innovationsfähiger zu lehren.
Aufgaben und Ziele
Innovationen im Sinne inhaltlicher und technischer Neuerungen anstoßen (...) und allen gesellschaftlichen Gruppen Zugang zu den Ressourcen Information und Bildung eröffnen.
Welche Erkenntnisse, Innovationen oder Unterstützung brauchen Sie für Ihr Projekt Bildungsserver am meisten?
Bambey: Selbst muss man so ausgestattet sein, dass Innovationen über den Bildungsserver gestützt, getragen und abgebildet werden können. Dafür gibt es im Informationszentrum Bildung innovative Projekte, die den tagespolitischen Stand der Diskussion und der Entwicklung stetig mobilisieren.
Kühnlenz: Es gehört auch zu unseren Aufgaben, Innovationen im Sinne inhaltlicher und technischer Neuerungen anzustoßen, die unsere Arbeit unterstützen und insgesamt Desiderate im Bereich der bildungsbezogenen Information beseitigen. Wir verfügen über einen Förderfonds, über den wir entsprechende Entwicklungsvorhaben unterstützen können. Ein anderes Beispiel, wie wir uns und unsere Nutzer über die gesellschaftlichen und bildungspolitischen Kontexte unserer Arbeit informieren, ist das Partnerportal „Bildung Plus“, das die eben angesprochenen Bildungsreformdebatten dokumentiert. Dieses publizistisch arbeitende Portal bildet die Diskurse zur Bildungsreform in Gestalt von Textbeiträgen und Experten-Interviews ab und sammelt auch interessante Einzelmeinungen zu aktuellen Themen ein. Über diese Aktivitäten entsteht in der Wechselbeziehung mit dem Bildungsserver eine qualitativ neue Informationsstrategie, eine Art Osmose zwischen einem dezidiert journalistischen Angebot zu aktuellen Debatten und den Sachinformationen des Bildungsportals.
Welches vielleicht auch ferne Ziel verfolgen Sie mit Ihrer Tätigkeit?
Bambey: Eine wichtige Erfahrung ist das Feedback der Nutzer. Dabei wünsche ich mir, dass wir es schaffen, sehr unterschiedliche Zielgruppen in adäquater Weise zu erreichen. Wenn man beispielsweise hört: Was ihr anbietet, das ist einschlägig! Meine Fragen werden aufgenommen und mit den Antworten kann ich etwas anfangen! Über ein solches Feedback erfahren wir, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Insgesamt wäre wünschenswert, die Leute, wenn sie etwas zum Thema Bildung wissen wollen, zuallererst über den Bildungsserver oder über das Fachportal gingen. Dieses erstrebenswerte Ziel nennt man „single point access“, was soviel heißt wie, dass man bei einem bestimmten Thema immer eine bestimmte Anlaufstelle im Auge hat.
Kühnlenz: Etwas pathetisch ausgedrückt ließe sich m.E. sagen, dass unser Arbeitsethos als ein Leitziel impliziert, allen gesellschaftlichen Gruppen Zugang zu den Ressourcen Information und Bildung zu eröffnen. Insofern ist unserer Informationsarbeit durchaus ein demokratisierender und auf Partizipation zielender Auftrag inhärent, der potenziell dazu beiträgt, in allen Bevölkerungsschichten und Nutzergruppen die Möglichkeit zur Teilhabe an Bildungschancen zu erhöhen bzw. ihnen zu zeigen, wo die Informationen sind, die sie in ihrer Ausbildung benötigen und die sie letztlich in ihrem Leben weiterbringen. Zweifellos ein hoher Anspruch für einen Internetdienst, aber es wäre schön, wenn sich dieser partiell realisieren ließe.
Wer oder was sind die wesentlichen Akteure und Erkenntnisquellen, die Ihnen für Ihre Recherchen zur Verfügung stehen?
Bambey: Im Bereich der Literaturinformation gibt es ein breites Netzwerk von Einrichtungen in der Bundesrepublik, in Österreich und in der Schweiz. Seit Anfang der 90er Jahre arbeiten wir zusammen. Es handelt sich dabei um einen sehr stabilen Verbund, der gewährleistet, dass wir im deutschsprachigen Raum die größte und renommierteste Literaturinformationsdatenbank anbieten können. Über diese Wege publizieren Wissenschaftler und Praktiker und machen ihren Output weitflächig sichtbar. Die Rezipienten wiederum ziehen aus diesen qualifizierten wissenschaftlichen Produkten Nutzen. Hier schließt sich dann der Kreis.
Kühnlenz: Die Frage gibt mir Gelegenheit zu betonen, dass der Bildungsserver keine ausschließlich staatstragende Veranstaltung der bildungspolitisch federführenden Institutionen darstellt, die ich als wichtige Akteure bereits benannt hatte. Er ist eben auch ein Bürgerportal, dessen großer Gebrauchswert sich in regem Nutzerzuspruch widerspiegelt. Mit inzwischen rund 50 Millionen Seitenaufrufen jährlich dürften wir zweifellos eines der sichtbarsten Portale zum Thema Bildung im deutschsprachigen Raum sein. Wichtige Akteure sind also auch unsere Nutzerinnen und Nutzer. Nicht allein rezeptiv, sondern insbesondere auch durch die Möglichkeit, aktiv an der Entwicklung des Bildungsservers mitzuarbeiten, etwa indem sie ihre bildungsbezogenen Informationen – z.B. die Adresse ihrer eigenen Website, ihre Veranstaltungshinweise, Unterrichtsmaterialien etc. - direkt von unserer Homepage aus in die Datenbanken des Bildungsservers eintragen. Diese Option der Mitwirkung wird stark genutzt und bietet unseren Redakteuren wertvolles Material zur Weiterentwicklung des Angebotes. Wir arbeiten daher daran, unseren Nutzerinnen und Nutzern künftig weitere und weitergehende Partizipations- und Interaktionsmöglichkeiten zu eröffnen.
Anstöße für Verbesserungen
Ich wünsche mir, dass Leute (...) über „bürgernahe“ Themen dazu animiert würden, sich in forschungs- und bildungsorientierte Einrichtungen zu begeben.
Was inspiriert Ihren beruflichen Alltag in besonderem Maße?
Bambey: Da wir eine Anlaufstelle für Fragen und Wünsche sind und uns die Leute auch wirklich kontaktieren, bin ich besonders dankbar dafür, wenn mir jemand sagt: Bei Ihnen habe ich Dinge gefunden, die ich woanders vergeblich gesucht habe! Die beste Motivationsquelle für mich ist also, ein wirklich positives Feedback zu bekommen. Dadurch wird das Virtuelle dieser Portale plötzlich sehr real. Ich stelle mir dabei immer die Frage: Wie kann man spröde Sachinformation sozusagen sinnlich erfahrbar machen? Oder: Wie kann man bei der Nutzung des Informationsportals Intuitionen fördern? Was das angeht, so kann man da auch vieles von den Kommerziellen lernen. Um die Attraktivität des Portals zu erhöhen, evaluieren wir daher auch das Nutzerverhalten. Wir versuchen zu erfahren, welche Stärken und Schwächen wir haben. Wir möchten beispielsweise herausfinden, ob Inhalte fehlen und ob die Navigation selbsterklärend ist. Über solche Rückkopplungen von Nutzern lernen wir, wie man die Bildungsportale noch effektiver, attraktiver und zielführender gestalten kann.
Welche Stärken und welche Mängel hat Ihrer Ansicht nach die Region Frankfurt/Rhein-Main für den wissenschaftlichen Austausch?
Kühnlenz: Das in den 50er Jahren als wissenschaftliche Einrichtung hier in Frankfurt und mithin in der Rhein-Main-Region etablierte DIPF nutzt viele offensichtlich gegebene regionale Standortvorteile. Es gibt enge Kooperationsbeziehungen zur Hochschule Darmstadt im informationswissenschaftlichen und mit der Universität Frankfurt im erziehungs- bzw. bildungswissenschaftlichen Aspekt unserer Aufgabenstellungen. Ich denke, die Region als Wissenschafts- und Hochschulstandort und auch Frankfurt als Messestadt bietet tatsächlich eine gute Infrastruktur für die Vernetzung des DIPF mit seinen Kooperationspartnern. Wir als Betreiber von Internetdiensten sind freilich weniger abhängig von geografischen Standortfaktoren, sondern vernetzen uns maßgeblich virtuell – unsere Partner befinden sich z.B. in Berlin, in München, Köln und Dortmund.
Welche Desiderate haben Sie in Bezug auf die Region?
Bambey: Ich würde mir wünschen, dass sich die Bildungseinrichtungen künftig stärker, etwa im Rahmen eines „Tages der offenen Tür“ präsentieren würden. Ich wünsche mir, dass Konzepte für Leute entwickelt würden, die in solche forschungs- und bildungsorientierte Einrichtungen in der Regel nicht gehen, dass sie z.B. über bestimmte „bürgernahe“ Themen dazu animiert würden, sich dorthin zu begeben. Wünschenswert ist auch, dass Wissenschaft als nutzbringende Einrichtung etwas transparenter würde. Dazu müssten sich die Einrichtungen aber auch darüber Gedanken machen, was sie den Bürgern bieten können.
Kühnlenz: Ich unterstreiche das – und dies ist natürlich unsere spezifische Perspektive als Informationsvermittler: Wir haben den Auftrag, transferforschungs- und wissenschaftsbezogene Informationen in eine breitere, von wissenschaftlichen Fragestellungen betroffene Öffentlichkeit zu unterstützen. Nicht im Sinne populärwissenschaftlicher Verdolmetschung, sondern durch Entfaltung des gesellschaftlichen Gebrauchswertes von Wissenschaft – dies sehe ich ganz allgemein als ein fortwährendes Desiderat nicht allein in unserer Region. Der rege Zuspruch für Aktionen wie die „Lange Nacht der Museen“ zeugt für den kulturellen Bereich von breitem Interesse an solchen Veranstaltungen. In Berlin und an anderen Hochschul- und Wissenschaftsstandorten werden seit Jahren mit vergleichbarer Resonanz auch „Lange Nächte der Wissenschaft“ ausgerichtet, in denen die Bürger Gelegenheit zur Kommunikation mit fachkompetenten Gesprächspartnern haben. Foren dieser Art vermisse ich in der Rhein-Main-Region als fest etablierte Einrichtungen des Austausches zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit. Insofern begrüße ich auch Ihre Initiative eines Portals Science4FrankfurtRheinMain.
Was hat Sie dazu bewogen, in diesem Bereich tätig zu werden?
Kühnlenz: Ich war einer der vorhin erwähnten, nach dem Studium beruflich Orientierung suchenden Germanistik-Absolventen. Am Anfang meiner Tätigkeit für das DIPF war ich mit Thesauri, also Schlagwortsystemen, mit der redaktionellen Bearbeitung gedruckter Publikationen und der inhaltlichen Erschließung von Forschungsliteratur für eine medienpädagogische Datenbank befasst – alles Arbeitsinhalte, die durchaus Bezüge zu meiner Ausbildung und meinen Interessen hatten. Darüber hinaus fand ich den interdisziplinären Aspekt dieser Aufgaben sehr anregend. Eine interessante Herausforderung und eine Horizonterweiterung war für mich, der ich als Literaturwissenschaftler naturgemäß ausgesprochen buchsozialisiert bin, auch die Auseinandersetzung mit dem Medium Internet und den damit verbundenen Gestaltungsmöglichkeiten.
Bambey: Mich hat vor allem der Aspekt der Informationsaufarbeitung und -kontextualisierung interessiert. Das berührt wohl meine Ader als Soziologin, da es einen sehr strukturbildenden Aspekt beinhaltet. Insbesondere jenseits der tagespolitischen, eher journalistischen Arbeitsbereiche bedeutet unsere Tätigkeit zu erschließen, aufzubereiten, in einen Rahmen zu stellen, einzusortieren und Informationen mit Mehrwert zu versehen. Diese Grundlagenarbeit ist für mich eine Basisleistung für die Entwicklung auch von Wissenschaft. Und die technische Entwicklung hat diese Aufgabe mit sehr viel Dynamik versehen. Die Potenziale des Internet haben viele interessante Optionen und ganz neue Reichweiten eröffnet.
Herausgeber © Institut für Neue Medien, Frankfurt am Main, 06-11-2007